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Das Shuiluo Tal
Kulturelle Diversität und soziale Aspekte

Ethnisches Tibet – Die Region der Hengduan Berge gehört zum östlichen Teil des “ethnischen Tibet”, wo der Ursprung der Tibetischen Kultur angenommen wird. Das Gebiet ist seit paläolithischer Zeit bewohnt. Die meisten der heutigen Ethnien scheinen Nachkommen der sogenannten Qiang zu sein, der mutmasslichen Vorfahren der Tibeter, welche um etwa 1000 v.Chr. von NE nach SE Tibet migrierten.


Historische Handelsrouten – Seit der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends n.Chr. wurde die Region von wichtigen historischen Handelsrouten durchquert, was zu einem bemerkenswerten kulturellen Austausch mit benachbarten Ländern wie Zentralchina, Burma oder Indien führte. In jüngerer Zeit war die Region jedoch ausgesprochen isoliert.


Kulturelle Vielfalt – Verschiedene Aspekte charakterisieren die kulturelle Diversität der Region. Die heutigen ethnischen Gruppen unterscheiden sich in ihrer Sprache, der traditionellen Kleidung, der Religion, Landwirtschaft und “sozialen Struktur”. Eines der offensichtlichsten Merkmale, welches die verschiedenen Ethnien charakterisiert, ist sicherlich die Sprache. Alle gehören zur Tibeto-Burmanischen Sprachgruppe, welche nicht nur zur Tibetischen sondern auch der Burmesischen Sprache Ähnlichkeiten aufweist. Neben der Sprache variiert auch die traditionelle Kleidung zwischen den Gruppen. Einfache Kleider kontrastieren mit sehr aufwändigen Kleidern, beispielsweise denjenigen der Yi Frauen. Bezüglich dem Landwirtschaftssystem können die Ethnien in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden, die der Reisbauern und die der Gerstenbauern, wobei erstere in tieferen Lagen leben. Die Religion ist sowohl vom Tibetischen Buddhismus (Lamaismus) wie auch von der animistischen Bön-Religion beeinflusst. Einige Ethnien wie beispielsweise die Naxi, praktizieren hauptsächlich eine animistische Religion mit Ritualen, welche von Dongbas, ihren Ritualspezialisten, durchgeführt werden. Andere praktizieren eine Mischung von beiden Religionen oder haben zum Tibetischen Buddhismus gewechselt, welcher seit den Reformen in China eine Stärkung erfährt.


Soziale Strukturen – Auch die “sozialen Strukturen”, z.B. Residenz- und Heiratsformen, sind sehr divers. Die Weitergabe des Hauses kann matrilinear oder patrilinear erfolgen, das heisst via Tochter oder via Sohn. Ausserdem existieren neben der "eine-Frau-ein-Mann" Bindung eine Vielzahl von Heiratsformen. So können beispielsweise zwei Brüder oder auch entfernter verwandte Männer gemeinsam eine Frau heiraten oder aber zwei Schwestern oder entfernter verwandte Frauen einen Mann teilen. Bei den matrilinearen Mosuo existiert die Heirat überhaupt nicht. Da führt die Frau gemeinsam mit ihrem Bruder den Haushalt. Da traditionelle ethnologische Abstammungs Theorien die vielfältigen Residenz- und Heiratsformen kaum beschreiben können, wird bei Studien über die Naxi, Mosuo, Tibeter, Lisu oder Kachin das Haus, und nicht die Abstammungsgruppe, ins Zentrum gestellt und als zentrale soziale Einheit betrachtet. So gibt es bei vielen Gruppen auch keine Familiennamen, wie wir sie kennen, sondern einen Hausnamen, der ans Haus gebunden ist und von den jeweiligen Bewohnern übernommen wird.

 

Geografische Aspekte und Pflanzendiversität
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Verwendete Literatur

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09.06.2010